Lass Sie reden

So ein Scheiß. Ich kann schon wieder nicht einschlafen. Keine Ahnung warum? Ich habe kein Problem, über das ich grübeln muss. Im Gegenteil. Ich hatte eines der besten Wochenenden überhaupt. Mit wundervollen und großartigen Menschen ein Seminar machen zu dürfen, ist ein Wahnsinns-Erlebnis.

Ich denke, irgendeinen Grund wird es schon haben, dass ich jetzt mitten in der Nacht vor dem Laptop sitze und diese Zeilen schreibe. Es sind noch so viele Themen in meinem Kopf die ich gerne mit euch teilen möchte. Eines davon ist die Angst, Träume zu Visionen und Visionen zu Zielen werden zu lassen, weil wir uns viel zu sehr mit der Frage beschäftigen, was denn die Anderen von uns denken könnten. Dieser Gedanke schreckt uns oft so sehr ab, dass wir unser ganzes Leben einschränken. Wir leben meist nicht unser Leben, sondern das was wir glauben, welches von uns erwartet wird. (Mein Vorschlag: jenes, von dem wir glauben, dass es von uns erwartet wird). Also das Leben der Anderen. Die Angst ausgestoßen zu werden, nicht mehr dazuzugehören, geächtet und missachtet zu werden ist so übermächtig, dass wir uns fügen und klein bleiben. Unsere eigenen Wünsche und auch Bedürfnisse missachten, nur um nicht anzuecken. Aber wie heißt es?

„Wer tut was alle tun, wird haben, was alle haben.“

In meinem Seminar habe ich auf das Wachstumsbedürfnis nach Maslov hingewiesen. Maslov war der Meinung, dass man das sogenannte Lebensglück nur empfinden kann, wenn alle vier Mangelbedürfnisse gedeckt sind und das Wachstumsbedürfnis erreicht ist. Also wenn ich alle Grundbedürfnisse wie, Essen, Trinken, soziale Sicherheit, Anerkennung usw. erfüllt habe und mich dahin entwickle, so zu sein und das zu tun, was „ich“ wirklich will. Und genau da, so habe ich die Erfahrung gemacht, scheitert es bei Vielen. (Mein Vorschlag: scheitern viele.) Dass man zu Essen und ein Dach über dem Kopf braucht, leuchtet jedem ja noch ein. Wenn einer aber versucht seinem Bild von sich nachzugehen, wird’s für viele schon schwierig. Und das wissen wir. Da wir aber von Grund auf soziale Wesen sind und wir glauben, dieses momentane Umfeld zu brauchen, halten wir unsere Füße still und träumen weiter.

Aber warum denn eigentlich. Die Zeiten der Neandertaler sind vorbei. Damals warst du dem Tode geweiht, wenn du von deiner Gruppe verstoßen wurdest. Damals warst du allein nicht überlebensfähig. Allerdings war damals die nächste Gruppe viele Kilometer von dir entfernt. Aber heute gilt das alles einfach nicht mehr. Heute sind wir so viele auf dieser Welt, dass wir immer und überall unsere Gruppe finden, die uns versteht. Die auf der gleichen Welle ist, wie wir.

Ich habe in meiner Einführungsmeditation geschrieben: „Erlaube dir bunt zu träumen und grenzenlos zu denken.“ Das entspricht wirklich meiner Lebenseinstellung. Sei Verrückt. Ver-rückt!!!!

Es ist so wie mit allem, was nicht der Norm entspricht. Nicht mit dem Fluss schwimmt. Am Anfang wirst du belächelt, dann eventuell bekämpft, aber zum Schluss mit Sicherheit beneidet.

Wie oft hat man große Ziele und wagt es nicht sie zu artikulieren, nur aus Angst, das Umfeld könnte einen auslachen. Nur eines musst du dir merken: die Leute reden so oder so. Und warum reden sie? Aus Angst, dass du deine Potentiale ausschöpfst, du deinen eigenen Weg gehst und sie dabei zuschauen müssen, dass du das machst was sie sich eigentlich auch immer schon gewünscht hätten. Du setzt ihnen einen Spiegel vor ihre Nase. Einen Spiegel, in dem sie ein Bild ihrer Selbst sehen, das ihnen aber nicht gefällt. Neid ist genau dasselbe Thema. Warum empfindet ein Mensch Neid? Neidisch ist man nur dann, wenn man in sich den Glaubenssatz hat, dass man das was der andere hat, selbst nie erreichen kann. Menschen die das Selbstbewusstsein haben, das auch erreichen zu können, wenn sie es möchten, haben niemals Neid, sondern freuen sich für den anderen und lassen sich sogar noch inspirieren.

Ich habe das große Glück in einem Umfeld zu leben, in dem Neid so überhaupt keine Rolle spielt. Wir sind in unserem Ortsteil sechs Häuser und gehen untereinander mit höchster Wertfreiheit um. Jeder lässt jeden sein und jeder achtet und respektiert die Leistungen des anderen. Schöner könnte ich es mir nicht ausmalen.

Wenn ich mir je Gedanken darüber gemacht hätte, was die Anderen denken, hätte ich wahrscheinlich bis heute noch keine Zeile von meinem Seminar geschrieben, geschweige denn es durchgeführt. Am Ende des Lebens zählt nicht was der Rest der Welt über dich gesagt hat. Am Ende zählt, dass du einschlafen kannst, mit der Gewissheit, dein Leben und deine Potentiale gelebt zu haben.
Denn „Alles was man im Leben bereut, sind die Dinge, die man nicht getan hat.“

Ich selbst durfte einmal bei einer geführten Meditation teilnehmen, wo es darum ging, seine Drachen zu reiten. Der Drache stellte die Ängste vor Herausforderungen dar, die du in deinem Leben hast. Nach der Meditation gab es eine Feedbackrunde und man merkte, wie schwer sich die Menschen doch tun, ihre Drachen zu reiten. Mein Trainer fragte auch mich, wie es mir denn in der Trance ergangen sei. Ich antwortete: „Ich liebe es, meine Drachen zu reiten“. Aber auch ich musste das lernen. Ich habe irgendwann mal angefangen, mich zu zwingen über meinen Schatten zu springen. Mir ganz gezielt Aufgaben gestellt, vor denen ich Angst und Respekt hatte. Habe mich ganz gezielt auf Dinge eingelassen, die ich mir nie vorstellen konnte. Die in mir auch ein Gefühl der Peinlichkeit auslösten. Aber immer, wenn ich mich überwunden hatte und es vorbei war, bemerkte ich ein unendlich glückliches Gefühl in mir. Oft kullerten Tränen vor Freude und ich empfand ein großartiges Gefühl der Freiheit in mir. Egal was ich überwand. Ich bin Fallschirm gesprungen und hab vor 1600 Leuten gesprochen. Ich bin aber auch schon vor Menschen auf einem Stuhl gestanden und habe nur mit den Worten Bla Bla und meiner Mimik und Gestik versucht, eine verständliche Geschichte zu erzählen. Habe in einer Ausbildung gegrunzt wie ein Schwein und gegackert wie ein Huhn. Aber wisst ihr, was dabei passiert ist? Nichts. Überhaupt nichts. Ich lebe noch und ich habe sogar noch mein Gesicht. Nein, in Wahrheit ist dabei jedes Mal sehr viel passiert. Weil ich eben bemerkt habe, dass gar nichts passiert. Und bei jedem Mal hat sich das tiefer in mein Unterbewusstsein gefressen und sich manifestiert. Mach, was dir Spaß macht. Und zeig allen, dass es dir Spaß macht. Denn dann, wenn es dir nicht peinlich ist und du dir keine Gedanken mehr machst, was die Anderen über dich denken, fangen sie an dich für deinen Mut zu bewundern.

Es ist euer Leben, und es ist im Moment das einzige Leben das ihr zur Verfügung habt. Mit jedem Tag den ihr wartet, es nach euren Vorstellungen zu gestalten, wird es ein Tag weniger zum Glücklichsein.

So, jetzt ist es 2.08 Uhr. Zeit zum Schlafen gehen. Wünsche euch eine gute Nacht und

Lass dein Leben wachsen.

Euer Markus

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