Nicht „warum“-sondern „wofür“?

 

Es ist mir vollkommen klar, dass sich in den meisten Menschen Gefühle wie Unsicherheit, Sorge, Beklemmung und sogar Angst breit machen. Das darf auch keinen wundern, denn in der momentanen Situation brechen Vielen einige wichtige Lebensbereiche vom einen Tag auf den Anderen einfach zusammen. Vom Angestellten und Arbeiter bis hin zum Unternehmer, weiß niemand wie es weiter gehen wird. Dieses Virus und seine Folgen haben einen grundsätzlichen Einfluss auf viele wichtige Werte in unserer Gesellschaft. Die finanzielle Sicherheit wird bedroht, wir müssen Abstand von geliebten Menschen halten und ein Teil unseres, leider viel zu selten bewusst wahrgenommenen, größten Wertes „Freiheit“ wird eingeschränkt. Eine Situation, die wir in diesem Ausmaß kaum kennengelernt hatten und daher sind die Emotionen, die wir in uns tragen, nur zu gut zu verstehen.  Es ist etwas vollkommen Neues, Unbekanntes, Unsicheres und das macht uns Angst. Viele stellen sich auch die Frage „Warum?“. Warum ist das passiert, warum trifft das jetzt gerade mich, warum? Doch eine Warum-Frage bringt niemanden weiter. Nein, sie beschäftigt sich einzig mit der Vergangenheit, welche nicht zu ändern ist.

Ich halte es da mit folgendem Gebet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

In Tirol sagt man auch „Kein Schaden ohne Nutzen“.

Es kann nicht um das „Warum“ gehen, denn das ist nicht mehr änderbar. Nein, das „Wofür“ muss im Mittelpunkt stehen. Wofür ist das alles gut?

Es klingt wie ein Kalenderspruch, aber „In jeder Krise steckt eine Chance“.  Wenn ich mein Leben betrachte, ist das zu 100% zutreffend und ich weiß aus hunderten Beispielen, dass es so ist.            Denk in deinem eigenen Leben zurück, versuche dich an deine persönlichen Krisen zu erinnern und überlege dir einmal, wofür diese eine große Chance war. Du wirst sehen, dass aus ihnen meist etwas wunderbares entstand.

Ich kann dir nicht sagen, wofür diese Situation gut ist, aber es gibt tausende Möglichkeiten.

Vielleicht schenkt sie dir die Zeit, dich um andere, vielleicht durch die Hektik unseres Lebens, vernachlässigte Lebensbereiche zu kümmern.

Vielleicht gibt sie uns die Zeit, den Partner und die Kinder einmal zu fragen, wie es ihnen denn geht, was sie fühlen und von uns brauchen? Die Frage „Wie geht es dir?“, wird im Alltag viel zu oft zwischen Tür und Angel abgetan und meist mit einer lapidaren Lüge beantwortet. Man nimmt sich viel zu wenig Zeit, seine Lieben mit wahrem Interesse nach ihren Befindlichkeiten zu fragen und eine ehrliche Antwort abzuwarten. Nun haben wir die Chance, uns einmal hinzusetzen und zu reden. Hinter die Kulissen unserer Lieben zu sehen und alleine nur mit dem Zuhören zu helfen. Es kann sein, dass man sich komplett neu kennen und lieben lernt, wenn man versteht, was den anderen bewegt. Vielleicht merkt man, dass die Menschen mit denen man seit Jahren zusammenlebt eigentlich doch ganz in Ordnung sind.

Vielleicht ist es auch die Chance, sich selbst zu reflektieren. Sein Leben, sein Tun, seinen Beruf, seine Gewohnheiten einmal zu hinterfragen. Die größten Veränderungen kommen meist nach den tiefsten Niederschlägen im Leben. Sich zu fragen, wie will ich danach weitermachen? Ist vielleicht gerade jetzt der Zeitpunkt da, mein Leben in meinem Sinne zu ändern. Wir Menschen haben zu oft die Eigenschaft an Dingen festzuhalten, die einigermaßen gut laufen, auch wenn unsere Lebensaufgabe, unserer Berufung, ganz wo anders liegt. Bekanntes loszulassen und Neues zu beginnen, bedarf Mut, den wir meist nicht aufbringen. Eine Krise, wie wir sie im Moment erleben, kann es uns leichter machen den alten Weg zu verlassen und unseren eigenen einzuschlagen. Sich auf ein gesundes Leben einzulassen und jetzt mit dem Rauchen aufzuhören, weil die gesellschaftliche Gewohnheit entfällt oder morgens allein eine Runde durch den Wald zu laufen, da nicht die Entschuldigung des Zeitdrucks existiert, könnten ebenso die positiven Auswirkungen sein.

Vielleicht ist es auch die große Chance, die Welt und das Leben im Allgemeinen etwas anders zu sehen. Denn im Moment ist nicht mehr wichtig, was man für ein Auto fährt, sondern nur, ob es im Notfall funktioniert. Es ist auch nicht wichtig, die tollsten Kleider zu kaufen und den schönsten Schmuck zu haben. Nein, die Prioritäten haben sich geändert. Gesund zu bleiben oder zumindest die älteren Familienmitglieder nicht anzustecken, ist im Fokus. Plötzlich treten Dinge wie Prestige und Luxus in den Hintergrund. Es kann die Möglichkeit sein, sich zu fragen, was man wirklich braucht, um ein glückliches und erfülltes Leben zu leben und glaub mir, es ist viel weniger als du denkst. Genau das sehe ich als einer der größten Chancen dieser Situation. Sich selbst wieder seiner eigenen Werte klar zu werden und viel Druck herauszunehmen.

Vielleicht ist es auch die Ruhepause, in die du gezwungen wirst, die du schon längst brauchst und dir aber nicht eingestanden hast.

Vielleicht ist jetzt die Zeit, längst erträumte Projekte in einen Plan zu verfassen.

Als mich die Nachricht erreichte, dass meine Firma eventuell auch eine Zeit stillsteht, machte ich mir natürlich ebenso wie die Meisten den Gedanken, wie es denn weitergehen wird. Doch wir alle sitzen im selben Boot und es wird einen Weg geben. Mein „Wofür“ ist die Zeit, mein zweites Buch fertigzustellen.

Nein, ich möchte die Situation nicht schönreden, sie ist beschissen und wir können die Folgen noch in keiner Weise abschätzen. Doch ein „Wofür“ zu suchen, animiert unser Gehirn, positive Botenstoffe auszuschütten und zuversichtlicher in die Zukunft zu gehen.

Macht euch auf die Suche nach eurem „Wofür“ und ich bin sicher, es wird euch helfen.

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