Nimm dir Zeit Teil 2

Ich habe ja im ersten Teil dieses Blogs meine Gedanken zum Thema Zeit erläutert. Vor allem, dass, wenn sie einmal vorbei ist, ich sie nie wieder zurückholen kann. In diesem Teil möchte ich einmal ein paar Gedanken über gesunden Egoismus loswerden. Egoismus, ein schreckliches Wort. Das ist man doch nicht! (Mein Vorschlag: Egoistisch, das ist man doch nicht!) Ein egoistischer Mensch kann doch niemals ein liebenswerter Mensch sein. Aber Hallo! Ich spreche von gesundem Egoismus, nicht von einem Menschen, der zu seinem eigenen Vorteil über Leichen geht, um einzig seine persönlichen Ziele zu erreichen. Nein. Ich spreche von Dingen, die einem egoistisch erscheinen aber im Resultat zu Gunsten des gesamten Umfelds sind. Wie soll denn das gehen? „Egoismus“ und „zu Gunsten“ aller passt doch schon gar nicht zusammen. Weit gefehlt. Das passt wie die Faust aufs Auge. Gesunder Egoismus ist meines Erachtens sogar unheimlich wichtig, um eine langfristig gute Partnerschaft zu führen und ein harmonisches Familienleben zu leben. Was uns daran hindert sind meist unsere Glaubenssätze, die wir von unseren Eltern, Lehrern und unserer Gesellschaft mitbekommen haben.

Wie meint er das schon wieder? Lasst mich das mal erklären.

Ich schreibe auch diesen Blog auch aus meinen eigenen Erfahrungen und muss sagen, dass ich jede Frau nur bewundern kann, die sich aufopfernd um ihre Familie kümmert, meist noch einem Job nachgeht und nebenbei den Haushalt führt, mit dem die meisten Männer alleine schon überfordert wären. Wenn man als Mann dann abends von der Arbeit nach Hause kommt, erwarten wir eine gut gelaunte und am liebsten aufgeputzte Frau, die zu allen Schandtaten bereit ist. Denn wir haben ja gearbeitet. Leider wissen wir nicht, was sie den Tag über erlebt hat oder ob sie 10 Minuten vor unserer Ankunft mit einem der Kinder eine Auseinandersetzung hatte. Was aber auch leider nicht berücksichtigt wird: sie hat eine 7 Tage Woche. Ich arbeite höchstens 5 ½ Tage und hab dann Wochenende. Unsere Frauen haben nie wirklich frei. Auch Sonntag ist essen zu kochen und auf die Kinder zu schauen und die meisten machen sich da noch den halben Tag darüber Gedanken, was denn am Montag alles zu erledigen ist. Danke dass es euch gibt.

Mach aber mal einer Frau den Vorschlag, sich einen fixen Tag oder Abend für sich zu reservieren. Boh. Fast ein Unding. Das macht man doch nicht. Da kommen sie dann, die Glaubenssätze. Man muss doch 52 Wochen, 7 Tage, 24 Stunden für die anderen da sein, auch wenn es einen auffrisst und kraftlos macht. Einen Tag nur an sich denken, zur Kosmetik oder zum Frisör zu gehen, Freundinnen zu treffen und keinen Gedanken an Zuhause zu verschwenden. Oder einen Kurs am Wifi zu belegen, in einem Gebiet, für das schon lange ihr Herz schlägt. Endlich Yoga zu machen. Das ist doch egoistisch, das tut man doch nicht, was sollen denn die anderen denken. Da bin ich doch eine Rabenmutter. Es ist doch meine Aufgabe, immer da zu sein.

Bull Shit.

Erlaubt euch bitte, einen Tag in der Woche, zu eurem Tag zu machen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen. Es ist zum Vorteil aller. Warum? Ganz einfach. Jeder Mensch braucht seine Zeit um Kraft zu tanken, um seine Potentiale zu leben. Wer immer nur seine eigenen Bedürfnisse unterdrückt, der wird müde, ausgelaugt und vielleicht sogar gereizt. Wer aber Zeit hat um sich selbst zu entfalten, ist ausgeglichener, besser gelaunt, kraftvoller und auch glücklicher. Raus aus der Mühle. Wenn ein Mensch aber glücklich ist, überträgt er das naturgemäß automatisch auf sein Umfeld. Der Umgang mit den Kindern wird entspannter und einfacher. Das Nervenkostüm ist gestärkter und stabiler. Auch auf die Partnerschaft hat das mit Sicherheit positive Auswirkungen. Denn auch auf deinen Partner wird sich diese neue positive Energie übertragen.

Wenn ich und meine Frau erzählen, dass wir es uns zur Regel gemacht haben, zwei bis drei Mal im Jahr allein, ohne Kinder, ein Wochenende zu genießen, kommen uns oft sehr eigenartige Blicke entgegen. Blicke, die uns sagen sollten, das tut man doch nicht. Wie könnt ihr nur, die Kinder dahinter lassen (Mein Vorschlag: hinten anstellen). Wie Egoistisch ist denn das? Nein. Im Gegenteil. Denn wenn wir wieder zurückkommen, erwarten die Kinder ein glückliches und ausgeglichenes Elternpaar. Und sind die Eltern miteinander glücklich, auf wen wird sich das übertragen? Klar, oder? Auch Eltern brauchen Zeit für Zweisamkeit. Wir lieben unsere Kinder abgöttisch, wie es alle Eltern tun. Aber seid doch ehrlich, wieviel Zeit habt ihr als Paar um euch auszutauschen, zu reden, einander zuzuhören, euch zu lieben ohne gestört zu werden. Wann hat man im Alltag die Zeit und den Nerv, den anderen einmal ehrlich zu fragen wie es ihm denn geht? Und wann die Ruhe, sich die Sorgen und Nöte des Partners einmal anzuhören? Also bei uns geht das nur, wenn wir alleine Essen gehen oder eben eine Auszeit vom Alltag nehmen. Aber was haben die Kinder davon? Naja, lieber Eltern, die neun Tage im Jahr nicht da sind, als Eltern, die sich irgendwann nicht mehr verstehen und sich im schlimmsten Fall trennen. Es ist sicher nicht nötig zu erwähnen, dass sie natürlich bestens versorgt und untergebracht sind. Aber reden wir doch noch mal kurz über Sex. Ein Thema, das zu jeder funktionierenden Beziehung gehört wie ein gutes Glas Wein zu einem tollen Essen. Also ich habe den besten Sex in fremden Betten. Hallo, hallo! Genau lesen, nicht mit fremden Frauen, sondern in fremden Betten. Wenn wir in einem netten Hotel untergebracht sind und gemeinsam tolle Tage verleben, ist die Grundstimmung einfach anders. Man sitzt gemeinsam beim Abendessen, hat tolle Gespräche und einfach die Ruhe. Es ist einfach entspannt und niemand hat noch Durst oder muss noch mal aufs Klo. Man weiß, man ist allein, ohne Kinder im Nebenzimmer. Ich denke, dass jetzt einige Leser zum Schmunzeln kommen, weil sie wissen, wovon ich schreibe.

Die Kraft, Ruhe, Gelassenheit und Liebe mit der man dann wieder in den Alltag einsteigt, überträgt sich auf dein Umfeld und beeinflusst alles positiv.

Also nimm dir deine Zeit und lass das Gewissen außen vor. Erlaube es dir. Erlaubt es euch.
Und
Lass dein Leben wachsen.

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